Dienstag, 17. Januar 2017

Wie aus :( ein :) wurde

Ich bin ein Mensch, der gerne denkt. Dadurch, dass ich gerne denke, denke ich automatisch auch viel.


Mir 18 hatte ich so eine Ahnung, dass irgendwas mit mir nicht stimmt.
Zwar war alles an mir vorhanden, Arme, Beine, Augen, Haare, Ohren, Füße. Aber Stück für Stück lösten sich Puzzleteile aus mir heraus, musste ich feststellen.


So langsam begann ja auch die Zeit, in der man Google fragen konnte, was nicht stimmen könnte. Da war es noch nicht so verpönt wie heutzutage.
Ich gab in einer meiner sehr langen Internetsessions, die ich wochenends immer abhielt, einfach mal die Stichwörter 'Depression' und 'Symptome' ein.
So gelangte ich zu so Selbsttests, die ich ausfüllte. Deren Ergebnis unterschied sich in ihren Aussagen nie: Sie haben die Tendenz zu Depressionen oder Sie haben eine Tendenz zur Boderline Persönlichkeitsstörung.


Ob ich das nun glaubte oder nicht, das weiß ich um ehrlich zu sein gar nicht mehr.
Woran ich mich aber zu gut erinnern kann, war ein Sonntagnachmittag, an dem ich, wie so häufig, bei meiner Großmutter saß.
Ich schrieb nebenher SMS mit meiner Freundin M., von der ich dachte, ich könne ihr vertrauen.
"Glaub' doch nicht den Scheiß, den du im Internet findest. Wenn du das Richtige eingibst, kannst du auch Krebs oder einen Hirntumor haben!"
Dem Schock nicht genug, erzählte sie es natürlich auch weiter.


Denke ich jetzt daran zurück, hätte ich deutlich gedemütigter reagieren sollen.
Sie war danach übrigens für mich gestorben. Auch ihre niedlichen, halbherzigen Versuche, mich zu besänftigen und wieder auf ihre Seite zu ziehen, haben nicht funktioniert. Auch nicht über zwei andere Freundinnen, die auf mich einredeten.
Der Dickkopf existiert heute noch und überstimmt zum guten Glück mein weiches Herz auch manchmal!


Nach dem Abitur, als ich in meiner Ausbildung hing, suchte ich zum ersten mal eine psychologische Klinik auf, in der sich dann schlussendlich alles bestätigte, was ich von mir selbst vermutete. Borderline und Depressionen.
Ich spielte mit dem Gedanken, mich 6 Wochen in die Klinik aufnehmen zu lassen, nur leider war meine psychische Stabilität quasi 0, mein Heimweh viel zu groß und meinen Eltern konnte ich es sowieso nicht sagen.
Für die war ich ohnehin bekloppt, viel zu sensibel, nicht gut genug und der Punchingball für ihre verbalen und missbräuchlichen Ergüsse (in Form von Schlägen und Tritten).


So schleppte ich mich von Jahr zu Jahr zu Jahr. Ich erlebte sehr viel, aber happy wurde ich irgendwann gar nicht mehr.
Ich verschleppte sozusagen eine, für andere, unsichtbare Krankheit. War umgeben von Streit, gebrandmarkt von gefühlt 1000 Vertrauensbrüchen, Verboten und immer mehr und größer werdenden Baustellen, ich schwieg. Versteht doch eh keiner!


Nein, verstand auch keiner. Meine Tendenz ging auch nach meinem Auszug von Zuhause immer wieder zu meinen Eltern.
Nach 7 Jahren weiß ich jetzt, dass die Frage, berechtigt ist, warum ich ausziehe, wenn ich doch eh wie ein Bumerang wiederkehre?


Vor 5 Jahren wurde ich dann aber am Schopf gepackt, aus dem Sumpf gezogen und kräftig geschüttelt. So konnte der alte Schmutz endlich von mir abfallen.
Durch eine Verhaltenstherapie (die ich seit 4 Jahren mache und nicht vorhabe, damit aufzuhören, solange ich sie machen kann) habe ich mich wiedergefunden.
Um ein winziges Detail vom großen Ganzen zu nennen: Meine Freude, sie ist wieder da.
Natürlich bin ich jetzt nicht mehr 18 oder 21, eine junge Erwachsene, sondern eine richtige Erwachsene mit mittlerweile über 30. (Haha, wie sich das anhört - alt und ernsthaft. Was ich eigentlich gar nicht bin. Aber ich bin halt über 30 und das ist in meinen Augen nicht zu verachten für so einen holprigen Weg, den ich gegangen bin!)
Ich habe mehr Lebenserfahrung, viel mehr erlebt, gesehen und gesprochen. Und geweint. Das hat mich gereinigt.
Denn auch um die Psyche muss man sich kümmern. Man geht ja auch zum Zahnarzt, wenn man Zahnweh hat. Warum also nicht einfach auch einen Fachmann für das gute Seelenbefinden aufsuchen?


Denn dort habe ich gelernt, mit meinen Gedanken umzugehen. Diese in die richtigen Bahnen zu lenken, sodass sie mir nutzen und mich nicht überwältigen oder gar tottrampeln.


Denken ist so schön.


"Think often to make your mind the most dangerous weapon you have!"

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