Montag, 17. April 2017

Anderen helfen - Zwischen Selbstlosigkeit, Glück und der eigenen Enttäuschung

Wir kennen es alle.
Man bringt eine selbst gezauberte Leckerei zur Party mit, zu der man eingeladen wurde.
Holen anstatt eines, direkt zwei oder drei Klebestifte aus dem Lager auf der Arbeit, damit die Kollegen auch direkt neues Material haben, ohne sich abzumühen.
Bieten unsere Waschmaschine für ein paar Waschgänge an, weil die der Nachbarn gestern den Geist aufgegeben hat.
Schenken unaufgefordert dem Sitznachbarn in der Konferenz nach, weil es für ihn sicherlich genau so anstrengend ist, wie für einen selbst.
Wir halten für die Dame, die gerade noch angerannt kommt, den Bus oder die Bahn auf, damit sie auch endlich in ihren verdienten Feierabend kann.

Das Höchste, was wir hierfür ernten können, ist, dass wir etwas Gleichwertiges zurück bekommen.
Ein lieber Dank inklusive eines Lächelns wäre gleichwertig.
Es zeigt uns, die wir auch an den Anderen gedacht haben, dass wir und unsere gute Tat anerkannt werden. Von den Karmapunkten mal ganz abgesehen.

Doch sind wir mal ehrlich. Wann passiert das schon einmal?

Die Realität sieht doch wie folgt aus:

Über das selbstgemachte Dessert wird sich von mindestens 25% der Partygäste beschwert.
Zu viel.
Zu wenig.
Keine laktose- und glutenfreie Variante gewählt.
Hierfür muss XY erst einmal wieder 3 Wochen zum Spinning, um das wieder abtrainiert zu haben. Das kennt YX aber anders von seiner Mutter.

Ein mal dem Kollegen etwas mitgebracht, so wirst du zu seinem Lieferanten. Für alles mögliche.
Du wirst in Zukunft nur noch Folgendes hören:
"Gehst du zufällig ins Lager und kannst mir [...] mitbringen? Wäre voll lieb!"
"Bist du auf dem Weg in die Kantine? Ich habe voll Hunger, aber hänge hier ebenso voll in dem Projekt. Kannst du mir [...] mitbringen? Und einen Kaffee. Ach... Und was Süßes. Nervennahrung!" - Meist noch begleitet von einem, vermeintlich aufmunternden, seichten Lachen.

Das Eigentum der Nachbarn ist ausschließlich ihr Eigentum und steht zu keinem Zeitpunkt zur Verfügung Dritter.
"Weißt du, ich habe XYZ vor 3 Monaten das Handrührgerät geliehen. Meinst du, das habe ich bis heute wiedergesehen? Unsere technischen Geräte werden nur noch von uns benutzt und von niemand Anderem mehr. Man bekommt ja nie was wieder!"

In einer Pause der Konferenz bekommt man im Vorbeigehen mit, dass der Begünstigte, dem man nachgeschenkt hat, schon unglaubliche 4x auf der Toilette war, weil er sich gezwungen fühlte, zu trinken,

Und nicht zuletzt wird man wahrscheinlich von der gestressten Marathonläuferin, für die man in aller Ruhe noch den Bus aufgehalten hat, angeranzt, weshalb man in der Tür steht, sie wolle durch.


Ich spreche hier aus Erfahrung und will mich nicht beschweren. Denn wer frei von Schuld, der werfe den ersten Stein. Dazu wäre ich mit Sicherheit nicht berechtigt.

Es stimmt mich jedes Mal nachdenklich und traurig, wenn ich so eine Erfahrung machen musste.
Denn meistens sind es ja Menschen, die man noch nie zuvor gesehen hat, denen man eine eine Aufmerksamkeit zukommen lässt.
Und man hat doch nichts davon, sich dann wie eine Axt im Wald zu benehmen. Der Andere fühlt sich dann beschissen, weil er vielleicht noch Stunden darüber nachdenkt, was er denn falsch gemacht hat, nur, weil der Begünstigte einen schlechten Tag hatte oder gestresst war, aus welchem Grund auch immer.

Es ist schlichtweg falsch, Andere für seine eigenen Angelegenheiten verantwortlich zu machen oder leiden zu lassen.
Nicht jeder hat das dicke Fell, um sich von solchen Situationen nichts anzunehmen.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass die meisten sich angegriffen fühlen, wenn sie sich in so einer Situation wiederfinden.

Bei einem einfachen "Danke!" oder gar nur einem Blick, bricht man sich selbst keinen Zacken aus der Krone und der Geber fühlt sich irgendwas zwischen neutral, sodass er die Situation nicht weiter überdenkt oder wertgeschätzt.

Eines Tages bist nämlich du selbst der Geber. Und was gibt es Schöneres, als eine Wertschätzung vom Begünstigten zu erhalten? :)

Kommentare:

  1. Ich finde es auch schade, dass immer weniger Wertschätzung in der heutigen Gesellschaft gezeigt wird. Man gibt sich Mühe bei etwas und das wird nur von manchen Leuten anerkannt.

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    1. Im Job mal ganz zu schweigen...
      Lieben Dank an dich!

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