Mittwoch, 3. Mai 2017

"Nimm das nicht persönlich!"

Dieser Satz kommt mir zu den Ohren raus.

Aber fangen wir vorne an.
Wie kam es eigentlich dazu, dass ich Vieles so persönlich nehme, wie ich es eben persönlich nehme?

Ich durfte die klassische Ausbildung genießen.
Grundschule, Gymnasium, 3-jährige Ausbildung, Studium, Arbeitsplatz.
Ich hatte immer zu kämpfen. Von Beginn an. Es schwang immer mit, dass ich dicker war als andere Kinder und später Jugendliche und junge Erwachsene.
Da war es nur für kurze Zeit von Bedeutung, dass auch ich Buffalos und andere Markenkleidung trug.
Über mich wurde hinterrücks gelästert, ich habe mich von falschen Freunden blenden und mir auch meine beste Freundin wegnehmen lassen.

Man sollte meinen, dass doch das eigene Zuhause, die Eltern, in solchen Fällen dann erst recht der Fels in der Brandung sein sollten.
Fehlanzeige!

Meine Eltern waren nie perfektionistisch. Ihr Anliegen war es, dass ich es mal besser haben sollte als sie. Obwohl sie es nicht schlecht getroffen hat, obwohl ihre Berufe die reinste Knochenarbeiten waren und viel Glück im Unglück Tagesordnung war. Zum Beispiel, dass mein Vater nie wirklich Wechselschicht hatte oder meine Mutter viele freie Wochenenden genießen konnte.

Rückblickend, mit reichlich Abstand, kann ich aber sicher sagen, dass sie beide sehr unzufriedene Menschen waren.
Es hätte hier mehr, da mehr, anderswo aber bitte viel weniger sein müssen.
Ging es ums liebe Geld, konnte es natürlich nie genug sein. Wer behauptet von sich schon, dass er ausreichend Geld hat? Wahrscheinlich nicht einmal Jakob Rothschild.
Mit Vorliebe ging es aber um mich. Den Klotz am Bein, den sie eigentlich nicht wollten.
Also schon ein Punkt, wo es hätte deutlich weniger sein dürfen.

Ich entwickelte mich und wurde älter. Und mit meiner Reife stieg mein bereits angesprochenes Gewicht. Das auch immer hätte weniger sein dürfen.
Als ich in der 1. Klasse eine Hose für den Turnunterricht brauchte, kaufte meine Mutter Shorts. Shorts, in die ich nicht rein kam und die in meine Oberschenkel schnürten.
Widerwillig kaufte meine Mutter mir Leggings, die allein dadurch besser aussahen, weil sie lang waren und dehnbar.
Im Gedächtnis zu diesem Thema ist mir der Satz, "Ich habe keine Lust im Geschäft ständig 'Nein, größer!', 'Nein, größer!' zu sagen."
Somit waren also Lust und Vertrauen dahin, mit meiner Mutter Kleidung für mich einzukaufen.

Vor einigen Jahren, als ich bereits Zuhause ausgezogen, aber zu Besuch war, saß meine Mutter in der Küche, ich stand im Türrahmen zur Küche und bekam aus heiterem Himmel den Satz "Guck doch mal wie du aussiehst!" an den Kopf geschmissen. Obwohl ich ganz normal gekleidet war.
Das Oberteil, das ich trug, war sogar von ihr. Sie fühlte sich darin nicht wohl, gab es mir und ich gab ihr im Tausch eines von mir, in dem ich mich nicht besonders wohl fühlte, obwohl es schön war.

Was das sollte, weiß ich bis heute nicht.

Solche Sätze, auch, wenn es nur 2 Beispiele von sehr vielen waren, haben mich irgendwann festgesetzt, implementiert.
Dazu kam Misstrauen, das sich ebenfalls implementiert hat. Misstrauen und eine bessere Menschenkenntnis fingen an, mir das Leben kompliziert, wenn nicht sogar schwer zu machen.

Denn nach gewissen Erfahrungen, die jeder Mensch unweigerlich macht, sei es gut oder weniger gut, wird man vorsichtiger, weil man für sich selbst das Beste will.
Leider tendiere ich "dank" meiner Biografie dazu, Leute auch mal vorschnell abzulehnen, die es vielleicht weit in mein Leben hinein geschafft hätten, das gebrochene Urvertrauen und das zutiefst verletzte Ich verbieten es aber strikt.
Eine Freundschaft zu finden und zu behalten ist beinahe unmöglich für mich. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Misstrauen, eine tiefe Angst von schlichten Worten verletzt zu werden, ist voreingestellt. Dazu gesellt sich ein starkes Gespür für B*llsh*t, Lügen und den Stellenwert, den ein Mensch erlangen wird.

Ja, so sensibel bin ich über die Jahre geworden, ohne, dass ich es wollte.
Und reflektiere ich das, so ist es kein Wunder, dass ich viele Dinge schnell persönlich nehme.

Warm bleibt mein Herz trotzdem!

1 Kommentar:

  1. Ohh das könnte mit unter eine perfekte Beschreibung zu meiner Person sein :D Ich bin auch sehr sensibel, und ich nehme mir irgendwie immer alles zu Herzen. Aber um ehrlich zu sein, mag ich mittlerweile diese Empfindlichkeit an mir. Ich genieße nämlich dadurch die positiven Dinge im Leben viel mehr, allerdings nehmen mich dafür die negativen Dinge umso mehr mit..
    Man hört immer diesen Satz, dass man einige Kommentare nicht persönlich nehmen soll, aber ich kriege es irgendwie nicht so Recht hin. Und doch funktioniert es immer besser, wobei ich diesen Teil an mir wohl nie so richtig ablegen kann - Schließlich gehört er ja auch irgendwie zu mir :) Echt toll, dass du so ehrlich deine Meinung verfasst! Du wirkst sehr sympathisch!
    Ganz liebe Grüße
    Lara

    https://laraasophiie.blogspot.de/

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